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Der Vinschgau

Mit dem Schmelzwasser der Alpen der Apfelgarten Europas

Als vor 100 Jahren die ersten Vinschger Bauern den Obstbau für sich entdeckten, hätte noch niemand ahnen können, dass sich das kleine, gerade mal 70 km lange Tal zum leidenschaftlichsten und höchstgelegenen Apfelanbaugebiet Europas entwickeln würde. Schließlich war der überschaubare Vinschgau als Kornkammer Tirols bekannt geworden, während der Apfel noch keine Bedeutung hatte.

Wenn heute 1.700 Bauernfamilien ihre Existenz in einem saftig-grünen Tal auf Golden Delicious & Co. aufbauen, ist das ihren Großeltern zu verdanken, deren Tradition sie heute mit Liebe zum Detail weiterführen. Auch die Natur beweist hier seit jeher Liebe zum Detail und schafft ein spezielles Mikroklima im Zentrum der Alpen: Sie beschützt mit ihren teils über 3.000 Meter hohen Bergmassiven die fruchtbare Talsohle auf strategische Weise, lässt durch die Ötztaler Alpen im Norden und Ortler Alpen im Süden kaum Wolken ins Tal eindringen, sondern zwingt die wenigen Niederschläge, von Westen oder Osten zu kommen.

Als ob sie die Wolken ohne Unterbrechung auch dort necken wollte, heißt sie die regenbringenden Eindringlinge auch in den übriggebliebenen Himmelsrichtungen mit einem weiteren wirksamen Gegenmittel willkommen: dem Vinschger Wind. Dieser fegt in Form eines sog. Oberwindes die meisten Wolken aus dem Tal und sorgt so für einen einzigartigen, landwirtschaftlichen Lebensraum. Wenig Wolken heißt in erster Linie wenig Niederschlag, niedere Luftfeuchtigkeit und lange Sonnenscheindauer. Einfach ausgedrückt: tagsüber strahlend hellblauer Himmel und pralle Sonne zu jeder Jahreszeit, nachts glasklare Stunden mit Millionen von Sternen im dunkelblauen Mondschein.

„An und für sich Steppenklima…äußerst trocken und auf dem ersten Blick nicht die optimalen Voraussetzungen für eine blühende Apfelregion, die wir aber auf stolze Weise geworden sind. Wenn in einem Tal pro Jahr weniger als 500 mm Niederschlag fallen und die Sonne durch die West-Ostausrichtung nirgendwo durch Bergflanken eingebremst wird, bedeutet dies eigentlich trockenste Prärie und keine saftig-grünen Apfelgärten, die man aber im Vinschgau von Mals bis Partschins ohne Unterbrechung antrifft.“ so ein erfahrener Apfelbauer und Beregnungswächter in Latsch.

Eigentlich, denn die Vinschger ticken anders und auch die Natur weiß das. Mit ihrer Liebe zum Detail hört sie gerne dort auf, wo der Vinschger mit seinem Einfallsreichtum und seinem Pragmatismus beginnen soll. Als hätte sie es so gewollt und vorgesehen: Die leidenschaftlichen Bauern werden schon selbst rausfinden, was noch zu tun ist, um erfolgreich zu sein und dem Steppenklima zu begegnen. Und wie es aussieht, haben sie es rausgefunden. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts hat der Apfel immer größere Bedeutung erlangt und ist heute regionaler Anbauschwerpunkt im kleinen Alpental. Wie gesagt, für 1.700 fleißige Bauernfamilien.
„Denn unsere Großväter haben schnell erkannt, dass es gegen die Trockenheit der glühenden Sonne und der fehlenden, windverfegten Wolken ein perfektes Gegenmittel gibt, nämlich das Schmelzwasser der Gletscher, die uns umgeben.“ Von Frühjahr bis Spätsommer fließt über steile Gebirgsbäche aus allen Seitentälern des Vinschgaus frisches Schmelzwasser der Gletscher in die lebensspeisende Etsch. Wo die Etsch nicht hinkam haben die fleißigen Vorfahren der heutigen Apfelbauern ein 600 km langes System aus mühsam angelegten Bewässerungskanälen („Waale“) angelegt.

„Das bedeutet es Vinschger zu sein: Mit dem arbeiten, was die Natur uns gibt. Sie verwehrt uns ausreichende Niederschläge, aber schenkt uns dafür reichlich Schnee in den Bergen. Wir müssen nur warten, bis dieser schmilzt und das Wasser dann punktgerecht anzapfen.“ Die Natur wollte es den Vorfahren der heutigen Bauern wahrlich nicht zu leicht machen. Heute führt man mit künstlicher Beregnung aus dem Grundwasser das Prinzip der Väter und Mütter fort: Die Bauern verwandeln den trockenen Vinschgau täglich in ein fruchtbares, saftig-grünes Tal, das sich im Schmelzwasser der Etsch und des Reschensees spiegelt und im tiefblauen Himmel über dem Stilfser Nationalpark seine unendliche Inspiration sucht. So machen die heißen Temperaturen bei Tag und die frische Brise bei Nacht den Vinschgau zum prädestinierten Apfelgarten Europas, mitten in der alpinen Bergwelt von Ortler, Königsspitze und Cevedale und vieler weiterer wasserspendender Dreitausender.

Gerade hier lässt die Liebe zum Detail Natur und Mensch ein Produkt hervorbringen, das sehr langsam heranwächst und sich deshalb knackig und süß entfaltet. Knackiger und süßer als anderswo. Eine Joint Venture, die beide glücklich macht und die Zukunft auf vereinte Weise mitgestaltet. In der wohl schönsten Gegend Südtirols.
 

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