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Die Sorte der Zukunft heute schon züchten

Dank Innovation exklusiv bleiben

Dr. Walter Guerra & sein Team
Versuchszentrum Laimburg 
Wir essen ihn täglich, oder fast täglich. Statistisch gesehen ca. alle drei Tage. Gemeint ist der Kulturapfel, ein Überbegriff aus der Botanik. Sein Vorfahre war ein Kasache, genauer gesagt der Asiatische Wildapfel aus dem Tianshan-Gebirge im heutigen Kasachstan. Die Frucht wächst dort auch heute noch in wilder Form, ihre Bäume erreichen bis zu 30 Meter Wuchshöhe. Die großen Apfelanbaugebiete der Welt befinden sich heute aber anderswo. Dort wo man dem Zufall nur wenig überlassen will und durch gezielte Zuchtmaßnahmen die bestmögliche Frucht für das jeweilige Anbaugebiet finden will.

In Südtirol forscht die Arbeitsgruppe Pomologie mit 8 MitarbeiterInnen am Versuchszentrum Laimburg in Auer an der Prüfung und Züchtung neuer Apfelsorten. Unter der Leitung von Dr. Walter Guerra stehen im Institut für Obst-und Weinbau 50.000 Sämlinge unter ständiger Beobachtung. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10.000 steckt unter ihnen auch der Sämling, der die Erfolgssorte der Zukunft bringen wird. Eine spannende Welt, die von Guerra und seinem Team. Das Versuchszentrum Laimburg bündelt zusammen mit weiteren 80 Züchtungsinitiativen auf der ganzen Welt pomologisches Fachwissen. Dieses Know How ist nicht zum Selbstzweck da, sondern steht den Apfelbauern und ihren Erzeugerorganisationen auf der ganzen Welt mit Beratung und Problemlösungen zur Seite. Von den ca. 100 Äpfeln, die ein Europäer im Schnitt pro Jahr verzehrt, sind heute statistisch gesehen immer noch traditionelle Sorten wie Golden, Gala und Red Delicious die Platzhirsche auf dem Einkaufszettel der Konsumenten. Aber Geschmack und Essgewohnheiten der Konsumenten haben sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert und dieser Trend wird sich laut Prognose auch in Zukunft fortsetzen. „Während der Italiener den Apfel noch immer vorwiegend als Nachspeise verzehrt und eben die „frutta“ am Ende der Mahlzeit unter den Familienmitgliedern aufteilt, sind anderswo Äpfel als Snack gefragt und diese müssen natürlich kleiner sein als ein großer Apfel, der viele gleichzeitig beglücken soll.“ Unterschiedliche Märkte und unterschiedliche Vorstellungen der Konsumenten zum idealen Apfel. Wie kann ein Land wie Südtirol mit seinen beachtlichen 18.000 ha an Apfelanbaufläche am besten solche unterschiedlichen Märkte bedienen?

„Die Entscheidung ist schon seit Jahren gefallen und sie lautet Diversifizierung durch Sortenvielfalt. Damit ist man breit aufgestellt und flexibel für verschiedenste Märkte und deren unterschiedlichen Anforderungen an die Fruchtqualität.“ Bei dieser angestrebten Sortenvielfalt helfen Dr. Guerra und sein Team kräftig mit. Sie stehen dabei in den Fußstampfen großer Vorgänger, wie zum Beispiel dem Engländer Thomas Andrew Knight, der im 19. Jahrhundert als führender Pomologe und Mitglied der Royal Society durch den Einsatz wissenschaftlicher Züchtungsmethoden die Verbesserung der Erträge von Kulturpflanzen anstrebte. „Er war einer der ersten Züchter. Er brachte System in den Obstbau.“, so Guerra. Mit demselben systematischen Ansatz geht man an der Laimburg vor, wenn es darum geht eine markttaugliche Apfelsorte zu züchten.

„Züchtung ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ betont Guerra.
„Es vergehen Jahrzehnte, bis eine neue Sorte den Weg ins Regal findet. Dabei müssen wir heute prognostizieren, welchen Geschmack und welche Gewohnheiten der Konsument in 20 Jahren haben wird. Nicht einfach, aber sehr spannend.“ Ein wenig wie heute die Kleidung kaufen zu müssen, die man in zwei Jahrzehnten anziehen muss? In der Zwischenzeit verändert sich die Mode...wie soll man da ins Schwarze treffen? Aber Herrn Guerra ist die Überzeugung, richtig zu liegen, aus der Miene abzulesen. Dafür ist er zu sehr Wissenschaftler, um unsicher zu sein. Und außerdem suchen er und sein Team schließlich nach der Sorte aller Sorten, sozusagen nach zeitloser Mode, die immer gefällt. Also...kein Grund zum Zweifeln. Und wenn, dann spornt der Zweifel höchstens an und motiviert. Heute gibt es in Südtirol über ein Dutzend signifikante Apfelsorten, in 10 Jahren – so schätzt Dr. Guerra - werden es 30 sein.

„Der erste Schritt ist die Definition der Zuchtziele.“ Diese sollen definieren, welche Eigenschaften der ideale Apfel der Zukunft haben soll. Dabei spielen Geschmack, Farbe, Konsistenz und andere ebenso wichtige Faktoren wie Lagerfähigkeit, Ertragsleistung und Empfindlichkeit von Frucht und Baum eine große Rolle.

„Sobald wir definiert haben, welche Eigenschaften der Apfel haben sollte, können wir die möglichen „Elternsorten“ bestimmen. Durch händische Bestäubung der Mutterpflanze durch den Pollen des Vaterbaumes erhalten wir im Herbst erste Früchte. Diese Kreuzung liefert Apfelkerne, welche bereits Eigenschaften des „Vater- und Mutterapfelbaumes“ in sich tragen. Mit dem Einsetzen der neuen Kerne im Frühling wachsen Sämlings-Bäume heran, die in späteren Jahren die Früchte der neuen Apfelsorte tragen. Die ersten Äpfel wachsen nach ca. 7 Jahren. Man wählt dann jene Bäume aus, deren Früchte der Wunschsorte am ähnlichsten sind. Dann geht die Testphase noch mehr als ein Jahrzehnt weiter.“

Der stetige Austausch mit den Erzeugerorganisationen und die konstante Beobachtung der Anforderungen von Seiten der Großkunden sowie der Endkonsumenten filtert dabei im Idealfall die beste Apfelsorte für ein bestimmtes geografisches Gebiet heraus. Leitmotive wie „innovativ“ und „exklusiv“ erinnern dabei ständig an die große Verantwortung, die diese Forschungsarbeit mit sich bringt. Nur innovative Sorten, die dann von den Erzeugern in einer gewissen Exklusivität angeboten werden können, sichern sowohl für Konsumenten als auch für den Landwirt zufriedenstellende Ergebnisse.
Wie bunt werden die 5.700 ha an Apfelanbaufläche im Vinschgau in 30 Jahren sein? Das entscheiden auch Profis wie die Züchter in Auer auf entscheidende Weise mit.

„Während die Biene durch willkürliches Bestäuben und fleißiges Herumfliegen tausende von neuen Apfelsorten ins Leben rufen könnte, ist unser Team bestrebt, für das jeweilige Anbaugebiet nur die bestmögliche Sorte zu gewinnen.“ Eine Sorte, die unter Berücksichtigung der klimatischen Verhältnisse und der jeweiligen Marktanforderungen, den Bauern die Sicherung ihrer Existenzgrundlage ermöglicht. Eine spannende, ehrenvolle und zugleich verantwortungsvolle Tätigkeit, bewältigt durch ein Team von motivierten Forschern und der minutiösen jahrzehntelangen Arbeit in vielen Versuchsfeldern in freier Natur, verstreut über ganz Südtirol.

Neue Sorten wie Ambrosia™, WA38 Cosmic Crisp®, Shinano Gold yello®, Scilate Envy® oder Bonita stehen im Vinschgau schon in den Startlöchern und haben jahrzehntelange Tests in der Laimburg und anderen Einrichtungen bereits hinter sich. Sie sind schon in der Zukunft angekommen und stellen sich nun der härtesten aller Bewährungsproben, dem sich ständig verändernden Konsumentenmarkt.

Übersteht die neue Sorte dem Kriterium der Zeitlosigkeit?
 

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