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Drei Generationen lernen voneinander

Wie die Liebe zum Obst verbindet

Apfelbotschafterin Christine
vom Gaudenz Gutshof Isser in Partschins 
Wenn Felix zur Erntezeit am Gaudenz Gutshof Isser im Vinschger Partschins nicht von allen Bäumen die Äpfel pflückt, dann passiert das nicht aus Versehen. Einige bringt er nicht zu seiner Genossenschaft, sondern lässt sie ganz bewusst knappe zehn Tage länger hängen, quasi wie bei einem Weihnachtsbaum, auf dem man im Jänner noch den Stern behält, um diese wichtige Zeit feierlich noch etwas zu verlängern. „Diese kleine Reihe an Bäumen bleibt noch geschmückt, denn mit dem Schmuck zaubert meine Mutter Christine dann was ganz Besonderes.“

Christine „reserviert“ jedes Jahr bei ihrem Sohn die duftende Materie für ihre edle Kunst des Schnapsbrennens. Auf diese Weise erhalten die noch hängenden Äpfel schon frühzeitig eine ganz besonders noble Bestimmung. „Mein Sohn überlässt mir genauso wie seiner Genossenschaft nur einwandfrei sauberes und gesundes Obst, welches ich zum richtigen Zeitpunkt „einmaische“, also in einem besonderen Gefäß mit Hefe versetze und vergären lasse bis aus dem Fruchtzucker der Alkohol entstanden ist. Durch Destillation gewinne ich einen wunderbar duftenden Vinschger Apfel-Edelbrand, der auch Spuren von frischer Bergluft enthalten kann.“ Bei Felix und Christine am Gaudenz Gutshof Isser spielt der richtige Zeitpunkt die entscheidende Rolle und dies gilt für alles, was auf dem Hof passiert. Das richtige Timing für alle Prozesse am Hof haben die beiden wohl von Oma Annelies gelernt: Wenn der Edelbrand nach „seinem“ Apfel duften soll, dann müssen die Früchte im exakt richtigen Reifestadium geerntet worden sein. Wenn man auf der Wiese weniger Dünger einsetzen will, dann sollte der Mond abnehmend sein und auch der Wein von Felix bindet die Kohlensäure besser, wenn der Fülltermin für die ca. 5.000 Flaschen pro Jahr bei abnehmendem Mond festgelegt wird.

Die Zeit scheint am mittelalterlichen Ansitz des Gaudenz Gutshofs Isser immer Freund der Besitzer gewesen zu sein, wahrscheinlich weil die Besitzer sie immer als wertvoll behandelt haben und respektvoll mit ihr umgegangen sind. Alles scheint hier so idyllisch. „Für bestimmte Dinge muss man sich einfach Zeit nehmen, zum Beispiel wenn wir voneinander lernen.“ sagt Christine. Dabei erfolgt der Wissenstransfer nicht nur einseitig von der älteren zur jüngeren Generation, im Gegenteil. Felix hat nach seiner Ausbildung an der Fachschule für Obst- und Weinbau und nach langer Praxis im In- und Ausland viel neues Know Know mit auf den Hof gebracht, welches die anfängliche Skepsis von Mutter und Oma erst überwinden musste. So zum Beispiel beim Baumschnitt der Apfelbäume oder dem Rebschnitt bei seinem Goldmuskateller, Zweigelt oder Müller-Thurgau.
Mama Christine gibt ihr Wissen allerdings nicht nur an die eigene Familie weiter, sondern an alle die interessiert sind. Christine ist nämlich eine von über 40 Apfelbotschaftern, die in den Südtiroler Obstbaugebieten im Einsatz sind. Sie lädt zu Führungen durch die Apfelwiesen ein und die unterschiedlichsten Besucher sind ihr Publikum: Schulklassen, viele Touristen, und auch hin und wieder Einheimische. Bei den Führungen zwischen den Apfelbäumen kann sie über Äpfel, Blüten, Bestäubung, Insekten, Pflanzenschutz und vieles mehr aufklären. „Wir haben tagein, tagaus mit Äpfeln zu tun und wissen Bescheid. Aber es gibt viele, die über dieses Obst nicht viel wissen. Wir müssen einfach mehr informieren und ganz wichtig: Wir müssen mit Geduld arbeiten und mit Geduld überzeugen“, so Christine.

„Heute arbeiten wir Bauern im Vinschgau mit modernen Wetterstationen, die uns Prognosen zu Wind, Temperatur und Niederschlag in Europas höchstgelegenem Apfelanbaugebiet liefern. Das kannte meine Oma noch nicht. Ihre Prognosen kamen aus den persönlichen Erfahrungswerten der Vergangenheit, vorsichtig umgemünzt auf die jeweilige Gegenwart.“ so Felix. Die Zeit bringt Rat und manchmal Ratschläge, die alle Generationen erstmal und zum ersten Mal gemeinsam ausprobieren müssen. Wie zum Beispiel die Frostbekämpfung mit Feuerstellen. „Das hatten wir nie zusammen gemacht, ein bleibendes Erlebnis. Auf unseren ca. 2,5 Hektar Land waren im ersten Jahr 750 lodernde Feuerstellen und sie haben ihren Dienst getan. Das war pure Freude und große Genugtuung. Wir hatten den Frost erfolgreich bekämpft.“ so Oma Annelies.

Die Liebe zur Natur und mit dem, was sie zeitgerecht bereit ist zu geben, verbindet hier drei Generationen. Am Gaudenz Gutshof Isser in Partschins scheint alles harmonisch ineinander gewachsen zu sein, zwar mit klarer Trennung von Aufgabenbereichen, aber mit viel Synergie und gemeinsamer Begeisterung dort, wo es darauf ankommt. Wenn Oma Annelies mitten in der alpinen Bergwelt des Vinschgaus noch mit der alten Vespa mit Handkupplung am Hof nach dem Rechten sieht und Mutter Christine geheimnisvoll in ihrer Edelbrand-Raffinerie Apfelschnaps oder Grappa zaubert, dann weiß Sohn Felix, dass seine Leidenschaft im Obst- und Weinbau gebraucht und geschätzt wird.

Zum richtigen Zeitpunkt, der unbezahlbar wertvoll ist und schon die DNA seiner Vorfahren berieselte. Der edle Apfel fällt eben nicht weit vom Stamm und entfacht auch Begeisterung bei den vielen zufriedenen Abnehmern von Äpfeln, Weinen und Destillaten. Auch sie spüren in den typisch Vinschger Produkten des Gaudenz Gutshofs Isser die Güte eines nachhaltigen Wirtschaftens, das seit Generationen anhält. Wahrscheinlich seit der Namensgeber Gaudenz von Partschins, Ritter und Adelsmann hier schon im 14. Jahrhundert den Grundstein für edle Obst- und Weinverkostungen legte: in purer oder veredelter Form, je nach Belieben und fachkundiger Innovationskraft seiner Bewohner.
 

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