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Der alte Mann und der Sonnenwind

Vom Segen des himmlischen Kindes

„Haint blostr wiedr moll“ (Heute bläst er wieder mal). Diesen Satz hört man im Vinschgau sehr regelmäßig. Wahrscheinlich hat ihn jeder der ca. 35.000 Einwohner des Tales schon mal ausgesprochen. Gemeint ist der oft böige und meist trockene Fallwind, der vor allem im Vinschger Oberland recht kräftig seine Wanderung durch die Talsohle beginnt. Dabei trifft der Ausdruck „bläst“ die Sache im Kern, denn wie durch ein Flötenrohr kann der wirbelige Wettergeselle nur an bestimmten Stellen des Tales Druck ablassen, dort zarte oder gar heftige Musik erzeugen sowie mit großer Begeisterung durch den U-förmigen Vinschgau fegen. Darüber weiß wohl kein anderer besser Bescheid, als der „Korl Peppi“ aus Prad am Stilfser Joch. Keiner weiß genau wie alt der Peppi ist und niemand traut sich, danach zu fragen. Doch jeder weiß: Den Vinschger Wind kennt keiner besser als er. Die Falten im Gesicht verraten sein hohes Alter, trotzdem ist er noch voller Schwung und Energie. So als ob er ein wenig vom Wind in sich tragen würde, den er seit Jahrzehnten studiert.

„Der Vinschgau ist ein Kunstwerk der Natur, ein Relief in der Erdoberfläche inmitten der Alpen. Er erstreckt sich von West nach Ost und ist im Norden und Süden von hohen Bergflanken geschützt. Wenn auf die Außenseiten dieser hohen Berge Luftmassen aufprallen, schwappt ein Teil von diesen oben am Kamm über und „fällt“ in den Vinschgau rein. Dieser Wind von oben bläst die Wolken aus dem Vinschgau und wir haben fast immer schönes, sonnenreiches Wetter.“ So wie der „Korl Peppi“ das beschreibt, bringt der Vinschger Wind eine regelrechte Sonneneruption ins Tal, von der auch seine Äpfel profitieren. Seit Jahrzehnten ist der „Korl Peppi“ ein Sonnenbauer und seinen Sonnenwind nennt er liebevoll Solaris. „Ihm verdanken wir Vinschger sehr viel. Im restlichen Südtirol hänselt man uns oft wegen des häufigen Windes, aber ich glaube, darin steckt viel Neid. Denn sie wissen, dass wir viel mehr Sonnenschein haben als sie. Sie beneiden uns um unseren Sonnenwind.“
Da mag der Peppi wohl recht haben. Der Wind fegt tagsüber die Schattenwolken weg, damit sich der Vinschger Apfel sonnen darf, die Bienen bei trockenem Wetter lieber fliegen und auch nachts der Mond in kristallklaren Nächten sein indirektes Sonnenlicht ins Tal reflektieren kann. „Wir Vinschger haben dank Solaris sogar nachts mehr Sonnenlicht, als andere Täler tagsüber.“, übertreibt der „Korl Peppi“ gerne mal.

Vor allem im Sommer erfüllt der Wind gleich zwei Aufgaben, wenn er zwar viel mehr wärmende Sonne zulässt, aber gleichzeitig angenehme Kühle spendet, an der sich hitzegeplagte Touristen aus den Städten erfreuen. Die Einheimischen preisen die leichte Brise ebenso und verlassen sich auf den pünktlichen Besucher ihres Tales, der nun seit Jahrzehnten schon den Status eines Adoptivsohnes genießt. Ein himmlisches Kind, das festen Gewohnheiten frönt: So braust Solaris je nach Ortschaft beharrlich aus derselben Himmelsrichtung, was die Bäume dazu verleitet hat, dem Druck nachzugeben und sich widerstandslos dem energischen Gesellen zu beugen: Sie stehen alle ein bisschen schief. Im Einklang mit dem Sonnenwind ziehen Windfreaks in der Seearena Reschen im oberen Vinschgau mit ihren Kites ihre Bahnen und nützen die Verlässlichkeit von Solaris zum Surfen auf dem Wasser, während sich auch pralle Heißluftballons immer stärker mit dem Vinschger Wind anfreunden und dabei unendlichen Fernblick über das Apfelparadies Vinschgau mit seinen knackigen Äpfeln ermöglichen. Mit der Garantie und dem Wohlgefallen eines luftigen Freundes.
 

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