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Der Erbhof am Schloss

Mit der Kraft der Vergangenheit die Zukunft gestalten

Die Auszeichnung "Erbhof"
ehrt jene Familien, die seit mindestens 200 Jahren, also über mehrere Generationen hin, in direkter Erbfolge am geschlossenen Hof festgehalten haben. 
Nur zehn Minuten zu Fuß trennen den Erbhof „Bauhof“ von Schloss Kastelbell im Unteren Vinschgau. Während das Schloss malerisch auf einem großen Felsen am orografisch linken Ufer der Etsch thront, befindet sich der „Bauhof“ am rechten Etschufer. Eine kleine Brücke verbindet auch heute noch beide Uferseiten, genauso wie damals im Mittelalter, als am „Bauhof“ Angestellte von geistlichen oder weltlichen Großgrundbesitzern Obst und Gemüse anbauten, das für den Handel bestimmt war. Die Viehhaltung diente nur für den Eigenbedarf. So waren die adeligen Herren von Kastelbell als sog. Ministerialen der Grafen von Tirol lange Zeit Besitzer dieser Hofstelle. Im Jahr 1788 pachtete Philipp Linser den Hof, zehn Jahre später erwarben er und seine Frau Maria Jenewein den „Bauhof“ durch Kaufvertrag.

Heute, über 200 Jahre nach diesem Erwerb sowie 7 Generationen später, heißt der Besitzer des landwirtschaftlichen Betriebes, an dem nun fleißig knackige Vinschger Äpfel angebaut werden, immer noch Linser. Stefan Linser hat im Jahr 1991 den Hof von seinem Vater Erich übernommen, der ihn seit 1963 bewirtschaftet hatte. Der „Bauhof“ von Kastelbell darf sich bereits seit dem Jahr 1988 mit dem edlen Adlerschild und mit der Urkunde schmücken, die einem „Erbhof“ von der Südtiroler Landesregierung verliehen werden. Dies, weil der Hof 200 Jahre lang ohne Unterbrechung innerhalb derselben Familie übertragen wurde, ein geschlossener Hof war und die Eigentümer den Hof immer selbst bewohnt und bewirtschaftet haben. Nur wenn diese Bedingungen erfüllt sind, darf man sich Erbhof nennen und sich mit dem Erbhofschild des Tiroler Adlers schmücken.

„Unsere Vorfahren vor 200 Jahren haben den Apfel höchstens zur Selbstversorgung genutzt. Das Wissen um die Anbaumethoden und verschiedenen Sorten lag lange Zeit wohlbehütet bei den Klöstern. Erst Ende des 19. Jahrhunderts gründeten unsere Vorfahren die ersten Obstgenossenschaften. Seitdem sind wir Südtiroler selbstständige Experten dieser gesunden Frucht.“ erklärt Stefan stolz und weist so darauf hin, dass seine Familie den Apfel seit über 100 Jahren schon liebt und sich immer mehr mit ihm auseinandergesetzt hat. Stefan und sein Vater Erich haben dem Vinschger Apfel schließlich den Großteil ihres beruflichen Lebens gewidmet und ihn zu Existenzgrundlage für ihre Familien gemacht. Der historische Zeitpunkt für eine Spezialisierung auf Golden Delicious & Co. war gekommen und der Erbhof „Bauhof“ hat ihn genutzt.

„Die idealen klimatischen Bedingungen des alpinen Vinschgau als Wohlfühlheimat für den Kulturapfel kann man nicht übersehen. Das Tal ist prädestiniert dafür. Hier etwas anderes anzubauen, wäre schon fast ein Sakrileg.“ lacht Stefan und träumt dabei schon weit in die Zukunft der Vinschger Landwirtschaft.
Über 200 Jahre Familienbesitz ohne Unterbrechung, das spricht von der nötigen Ausdauer und Beharrlichkeit der Familie Linser, vor allem in Zeiten, in denen es alles andere als leicht war, von der Landwirtschaft zu leben. Auch von harten Schicksalsschlägen blieb der Erbhof nicht immer verschont: So zerstörte Ende des 19. Jahrhunderts ein Brand die Hofstelle. Davon zeugt die Holzstatue des Heiligen Johannes im Hausgang, die teilweise gerettet werden konnte. Der ritterlich im Familienwappen aufgebäumte Bär verrät schon Einiges über das Durchhaltevermögen der Besitzer am „Bauhof“. Ritterlich waren ebenso viele Tugenden seiner Besitzer. „Mein Großvater ließ sehr oft Landstreicher und Bettler auf dem Heuboden in der Scheune übernachten. Aus Sicherheitsgründen mussten sie aber immer all ihre Streichhölzer abgeben.“, erinnert sich Stefan nostalgisch an die Erzählungen seines Opas. Auch daran, wie die Ehe seiner Großeltern zustande gekommen ist, nämlich durch Vermittlung eines Bauern aus der Nachbargemeinde. Oder wie sein Vater Erich zum Hofbesitzer wurde, obwohl er nicht der älteste Sohn war. Dieser war im Krieg gefallen und so traf es Erich, die Verantwortung zu übernehmen.

Der „Bauhof“ teilt seine lange Erbhof-Tradition mit über 1.400 weiteren Südtiroler Bauernfamilien, die ihren „Adelstitel“ mit dem Anbringen des Erbhof-Schildes und dem Besitz der Urkunde dokumentieren. Beide zeigen den roten Tiroler Adler aus dem Jahre 1370, so wie er auf dem Altar der Kapelle von Schloss Tirol abgebildet ist.

„Erbhöfe waren schon immer eine Heimstätte für die Großfamilie und für viele weitere Menschen, die am Hof versorgt wurden. Heute ist unser „Bauhof“ ein Zuhause für unseren Sohn Rene Daniel, seine Frau und ihre beiden Kinder. Rene Daniel hat genauso wie ich die Landwirtschaftsschule besucht und wird unsere Tradition weiterführen.“ Eine Tradition, die es zu ehren gilt, war doch der Urgroßvater von Rene Daniel bereits Gründungsmitglied der Obstgenossenschaft von Kastelbell. In einer Zeit, als die Äpfel noch in Holzwolle eingepackt und mit dem Zug bis nach Russland transportiert wurden. So begehrt waren die Vinschger Äpfel schon vor über 100 Jahren.

Die verantwortungsvolle Bauerntradition der Familie Linser begann vor über 200 Jahren mit Ackerbau und Viehzucht, um sich dann vor einigen Jahrzehnten mit größter Hingabe dem Vinschger Apfel zu widmen. Dabei bietet eine durch und durch nachhaltige Grundhaltung in Europas höchstgelegenem Apfelanbaugebiet beste Voraussetzungen, auch weiterhin treu am ererbten bäuerlichen Besitz festzuhalten, so wie es der Wortlaut auf der Südtiroler Erbhof-Urkunde Ehrfurcht gebietend formuliert. Die Leidenschaft für Lebensmittel wurde innerhalb der Familie Linser stets lückenlos weitervererbt.

„Davon zeugen die Erinnerungen und Bemühungen der heutigen und vergangenen Generationen noch viel mehr, als jede Papierurkunde. Auch eine alte „Weintorggl“ im Keller des Bauhofs kann dies bestätigen. Trotzdem bin ich stolz, diese Urkunde zu besitzen. Sie stellt eine große Motivation dar.“ so Stefan vom „Bauhof“ in Kastelbell, dem Erbhof am Schloss.
 

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