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Von Kerzen und klirrender Kälte

Eiskalt: Ohne Frostschutz geht gar nichts

In diesen Tagen hat schon so mancher die Vinschger Bauern beneidet. Während die meisten zu Hause sitzen, dürfen die weiterhin auf ihre Felder. Aber Moment mal, dürfen? Väterchen Frost macht es notwendig, dass sie nicht nur am Tag, sondern auch in der Nacht arbeiten, um die Obstwiesen vor einem Ernteausfall zu schützen. Ganz oben auf ihrer Prioritätenliste steht in diesem Frühling der Frostschutz. Und weil uns zu diesem Thema immer wieder Fragen erreichen, möchten wir sie hier für euch beantworten.

Warum schützt gerade Eis vor Frost?

Eine gute Frage, denn auf den ersten Blick scheint das paradox. Wenn die Bauern nachts ihre Beregnung einschalten und das Wasser mehr und mehr gefriert, wird unter der Eisschicht Energie frei. Diese wird in Form von Wärme an die Blüten abgegeben. Siehe da, die zarten Apfelblüten sind sicher, Frostschäden bleiben aus und die Bauern dürfen auf eine gute Ernte hoffen. Noch dazu ist das Ganze ein wahres Spektakel: Glitzernde Eisblüten im Morgenlicht – gibt’s was Schöneres?
 
 
 
 

Woher kommt das Wasser für die Frostberegnung?

Fakt ist: Die Frostberegnung ist die nachhaltigste Frostschutzmethode. Sie produziert keinerlei Emissionen und die Bauern versuchen, sorgsam mit den Wasserressourcen umzugehen. Der größte Teil davon stammt aus den Stauseen, ein kleinerer Teil, ca. 25%, aus den sogenannten „Ziggln“ (Tiefbrunnen). Das Niederschlags- und Schmelzwasser aus den Stauseen wird ins Tal abgeleitet und gelangt in den Boden. Ist dieser erst gesättigt, gelangt es zurück ins Grundwasser und so schließt sich der Kreislauf der Natur.
 
 
 
 
 
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Was wäre, wenn…
…es keinen Frostschutz gäbe?
 
Was wäre, wenn…
Im Frühling schlägt für die Bauern die Stunde der Wahrheit. Wenn den empfindlichen Knospen und Blüten nun etwas passiert, kann das schlimmstenfalls einen Ernteausfall bedeuten. Insbesondere der nächtliche Frühjahrsfrost ist gefährlich. Schon Temperaturen um 0°C können große Qualitätsschäden, wie eine Berostung der Früchte, bewirken oder die Blüten ganz erfrieren lassen. Jede erfrorene Blüte bedeutet einen Apfel weniger und eine wachsende Existenzbedrohung für die Bauern.

Funktionieren Frostkerzen wirklich?

Ja, zum Glück! Frostkerzen, auch Paraffinkerzen genannt, werden bei eisigen Temperaturen in den Obstfeldern aufgestellt. Die Wärme der hunderten kleinen Flammen lässt die Umgebungstemperatur steigen, gerade um so viel, dass die jungen Triebe und Blüten geschützt sind. Frostkerzen können bis zu acht Stunden lang brennen und erhellen eisige Frühjahrsnächte mit ihrem magischen Flackern und Leuchten.
 
 
 
 

Reicht denn nicht die Frostberegnung?

Leider ist es im Vinschgau nicht möglich, sich auf eine Methode zu beschränken. Denn einige Bauern, insbesondere jene in Hanglagen, haben keinen Zugang zu den Wasservorräten, die die Frostberegnung erfordert. Somit sind die Frostkerzen für sie die einzige Möglichkeit, um ihre Blüten und Knospen vor Kälteschäden zu schützen. Manche verwenden statt der Frostkerzen auch Holz oder Holzpellets.
 
 
 
 
 
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Woher wisst ihr…
…wann Frostschutz nötig ist?
 
Woher wisst ihr…
Eine sehr interessante Frage, denn natürlich sind die Bauern keine Hellseher und auch auf den Wetterbericht ist (zu) wenig Verlass. Es braucht schon einen eigenen Frostwarndienst, den die Bauern selbst organisieren: Zwei Bauern überwachen dabei die ganze Nacht lang die Werte der Messstation einer bestimmten Frostzone. Wird eine kritische Temperatur erreicht, schlagen sie per SMS Alarm.

Heutzutage gibt es sogar Frühwarnsysteme, die die Frostberegnung automatisch einschalten. Früher, als es diese Möglichkeiten noch nicht gab, heulten oft mitten in der Nacht die Feuerwehrsirenen. Das bedeutete für die Bauern: Raus aus den Federn und Frostberegnung anwerfen! Trotz aller modernen Technologien sind die Frostwarndienste nicht unfehlbar und die aktuelle Corona-Zeit erschwert den Frostwarndienst ohnehin.
 

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